Hijama – ein Erfahrungsbericht

Foto: Selms Creative Productions

„Oh nein danke, alles was mit Blut zu tun hat, darf mir gerne fernbleiben.“, war meine klare Antwort, als eine Freundin mich vor ein paar Wochen darauf ansprach, ob ich nicht Lust hätte einmal Hijama, auch bekannt als Schröpfen, auszuprobieren.

Und doch wurde ich neugierig. Eine erste Google-Suche zeigte mir Bilder, die ich vorerst nicht aus dem Kopf bekam (nachmachen wirklich nicht empfohlen!), doch was ich las, überzeugte mich. In mehreren von Ahmad, Bukhari, Muslim, Abu Dawud, at-Tirmidhi, an-Nasai oder auch ibn Majah berichteten Hadithen heißt es Prophet Mohamed sas habe Hijama als eine der besten medizinischen Maßnahmen gegen viele Arten von Krankheiten empfohlen. Er selbst habe es gegen Kopfschmerzen und Rückenleiden genutzt, es sei jedoch auch gegen allerlei andere Probleme, wie Gelenkschmerzen, Migräne, Bluthochdruck, ja sogar psychische Probleme wirksam. „Einen Versuch ist es wert“, dachte ich mir und vereinbarte mit Herzklopfen einen Termin bei Fatima, einer ausgebildeten Heilpraktikerin, die in Saudi Arabien über viele Jahre die Kunst der Hijama erlernt hat.

Der Behandlungstag

Sie empfing mich schon bald darauf lächelnd in ihrem Behandlungszimmer und bot mir an Platz zu nehmen. Sie hatte mich bereits im Vorfeld darüber informiert, dass ich zwei Stunden vor der Behandlung nicht essen sollte. Im Gegenzug hatte ich ihr Bescheid gegeben, dass ich unter Bluthochdruck leide. „Wie kann ich dir helfen?“, fragte sie freundlich. Ich erklärte ihr, dass ich aktuell eine Ernährungsumstellung vorgenommen hatte, um eine Menge Gewicht zu verlieren und gehört hatte, dass das Schröpfen helfen könne diesen Prozess zu unterstützen. „Da bist du bei mir genau richtig!“, lachte sie und bat mich meinen Rücken frei zu machen und mich auf die Behandlungsliege zu legen. Fatima hatte schon während ihrer Ausbildung in Saudi Arabien ihren Schwerpunkt auf Ernährungswissenschaft und deren Auswirkung auf Körper, Geist und Seele gelegt und war nun sichtlich in ihrem Element. „Zuerst taste ich deinen Rücken nach Schwachstellen ab.“, erklärte sie ruhig und fuhr im selben Atemzug fort: „Oh, da haben wir schon eine.“ Zielsicher drückte sie auf eine Stelle an meinem Rücken, die mich schon seit der Schwangerschaft mit meinem Sohn unendlich quälte. „Hier beginne ich und werde ein erstes Glas ansetzen.“ Ich spürte, wie sie eines der Cuppinggläser auf die schmerzende Stelle an meinem Rücken setzte und mittels eine Pumpe Unterdruck erzeugte, sodass sich das Glas an meinem Rücken festsaugte. Sofort bemerkte ich, dass sich an der Stelle etwas tat. Es war ein leichter Schmerz, nicht unangenehm, aber ich merkte definitiv, dass hier ein Prozess angeschubst wurde. Nach und nach setzte sie ruhig und konzentriert weitere Gläser an eben jene Stellen, die laut ihrer Erklärung wichtig seien, um den Abnehmprozess zu unterstützen. „Es ist wie bei der Akupunktur. Jede Stelle an deinem Rücken ist mit einem Organ verbunden. Indem wir diese Stellen aktivieren, helfen wir deinem Körper zu entgiften und den Stoffwechsel anzukurbeln, damit dein Körper sich selbst heilen kann.“

Ich nickte fasziniert und versuchte zu entspannen. Nach gut zehn Minuten waren mehrere Gläser an meinem Rücken festgesaugt. Magen, Darm, Leber, Niere, Galle, Herz – jedes dieser Organe wurde in die Behandlung mit einbezogen. Und dann kam wovor ich mich am meisten gefürchtet hatte. „Ich werde die Gläser nun nach einigen Minuten nach und nach abnehmen und deine Haut einritzen. Danach setze ich die Gläser wieder auf und erzeuge Unterdruck. Wenn wir Glück haben, wird es bluten.“ Ich merkte, wie ich innerlich verspannte. Fatima bemerkte es sofort und sprach mir Mut zu. „Du wirst merken, dass es gar nicht weh tun wird. Versuche dich zu entspannen.“ Vorsichtig und konzentriert löste sie Glas um Glas und ritzte mit einem Skalpell meine Haut ein. Dabei flüsterte sie fortwährend leise „Bismilliahi rahmani rahim.“ Ich atmete tief und ließ die Anspannung nach und nach aus meinem Körper weichen. Sie hatte Recht. Es tat überhaupt nicht weh! Es sei nicht gegeben, dass es blutete, erklärte Fatima. Besonders bei Frauen könne es vorkommen, dass es vier bis fünf Behandlungen dauere, bis zum ersten Mal Blut austrete. Doch es dauerte nicht lange, bis es losging. „Masha’Allah.“, sagte sie zufrieden. „Es fließt Blut. Das ist gut. Mit diesem Blut leitet dein Körper nun Schlackestoffe, also Gifte, aus, die deine Organe daran hindern optimal zu funktionieren. Wenn diese Schlacken ausgeschieden sind, wirst du merken, dass dein Körper besser arbeitet und du besser abnehmen wirst.“.

Nach gut 10 Minuten, nahm sie langsam Glas um Glas von meiner Haut und wischte das Blut mit einem Tuch ab. Sie fragte mich, ob ich eines der Tücher sehen wolle. Ja ich wollte! Blut hin oder her, jetzt war ich wirklich fasziniert von dieser Behandlungsmethode. Sie hielt mir ein Tuch hin. Es sah aus, als habe sie mir blutigen Pudding vom Rücken gewischt. „Das ist alles Gift, das sich durch dein Übergewicht in deinem Körper abgelagert hat.“ „Subhan’Allah.“, flüsterte ich. Sie nahm sich Zeit, um meinen Rücken zu reinigen und die Wunden fachgerecht zu desinfizieren. „Von einem Glas hast du einen blauen Fleck bekommen. Das ist die Stelle für die Nieren.“, sagte sie. „Du trinkst generell zu wenig. Darauf solltest du in Zukunft achten. Es wird gut 14 Tage dauern bis dieser Fleck verschwindet. Die Male vom Anritzen der Haut werden in den nächsten Tagen insha’Allah verheilt sein. Am besten du reibst sie mehrmals täglich mit Olivenöl ein.“ Ich nickte. Nachdem sie fertig war, bat sie mich langsam aufzustehen und mich wieder anzuziehen. Ich merkte sofort eine Veränderung. „Subhan’Allah!“, sagte ich erstaunt, als ich aufgestanden war und merkte, dass sich mein Rücken leichter anfühlte. Es war ein befreiendes Gefühl. Schagartig wurde ich mir meines Übergewichts bewusst, das in krassem Gegensatz zu diesem Gefühl steht. „Wie oft sollte ich diese Behandlung vornehmen lassen, um mein Abnehmvorhaben zu unterstützen.“, fragte ich deswegen begeistert. Einmal im Monat solle ich kommen, riet sie mir. Ich zählte die Gläser, die sie nun wieder säuberte und desinfizierte. 11 Stück hatte sie benutzt. Ich fragte wofür die restlichen Gläser waren. „Ein Glas habe ich an den Punkt für Bluthochdruck gesetzt. Und zwei weitere Gläser an Punkten gesetzt, die mit Depression in Zusammenhang stehen.“, sagt Fatima. „Jedes Übergewicht ist Ergebnis eines Traumas. Es kann sein, dass du in den nächsten drei Tagen öfter weinen wirst, weil deine Seele durch Hijama ein altes Buch öffnet, um deine Erlebnisse zu verarbeiten.“. Ich schlucke. „Mach dir keine Sorgen. Kheir insha’Allah.“, lächelt Fatima ermutigend. Ich verspreche mich bald wieder bei ihr zu melden, um den nächsten Termin für eine Behandlung zu vereinbaren.

Die Tage danach

Zuhause habe ich allen möglichen Menschen begeistert von meiner Behandlung erzählt. Da ich mich in letzter Zeit sowieso mehr und mehr mit alternativer Medizin beschäftigt habe und mir die Behandlung an Akupunkturpunkten einleuchtet, bin ich hellauf begeistert und freue mich bereits auf meine nächste Sitzung. Die Wunden heilen schnell. Einen Tag nach der Behandlung fühlt es sich an wie ein Sonnenbrand. Am Tag darauf juckt es leicht, ich merke es heilt. Das Einreiben mit Olivenöl hilft sehr. Der blaue Fleck prangt kaum verändert in der Mitte meines Rückens und erinnert mich bei jeder Betrachtung im Spiegel daran, dass ich dringend mehr Wasser trinken muss. Fatima behielt recht, ich bin in den drei Tagen nach dem Schröpfen emotionaler als sonst und ich merke, das dies in Verbindung zu meinen Erlebnissen in der Vergangenheit steht. Auf jeden Fall fällt es mir leichter mich auf meine Gewichtsabnahme zu konzentrieren. Wenn ich an die ausgetretenen Schlacke denke, freue ich mich auf gesundes Essen. Ich möchte gesunder leben und Gifte vermeiden. Schon jetzt freue ich mich auf die nächste Sitzung.

Hast du bereits Erfahrungen mit Hijama sammeln können? Erzähl es uns!

Comments

comments