#basmadan diary: Ramadan Tag 14

Ramadan Tagebuch

Liebes Ramadan Tagebuch,

ich ärgere mich.
Ich ärgere mich aus tiefstem Herzen.
Weil ich mir nicht gut genug bin.
Nein, weil ich nicht perfekt bin.
Ich ärgere mich über jeden Moment, der sich in meinem Kopf besser abspielen lässt.
Ich ärgere mich, weil mir die Worte fehlen.
Worte, die keine Menschenseele übersetzen kann.
Die nicht zu transkribieren oder zu transliterieren sind.
Worte, die meine Emotionen schwer beschreiben können.
Ich grabe nicht tief genug.
Nie gut genug.
Ich spüre diese seltsame Melancholie, die aus dem Erdboden ausbricht.
Doch es fällt mir nicht leicht, sie zu verarbeiten.
Dabei ereignete sich keine dramatische Sensation.
Sollte es aber?

Ich falle, doch kann nicht aufstehen.
Alleine daran zu denken, lässt mich wieder fallen.
Liege wie ein Embryo am kalten, trockenen Boden.
Zerstört und desperat.
Gott, wie sehr ich mich nach der Heiterkeit sehne!
Wie sehr ich mir wünsche, die turbulente Szenerie stumm zuschalten.
Wie sehr ich mir wünsche, die lebhafte Szenerie anzuhalten oder zurückzuspulen.
Endlich von null auf anzufangen.
Könnte ich bloß die Zeit zurückdrehen und auf mein jüngeres Ich treffen.
Der Person erzählen, dass es normal sei, ab und zu an sich zu zweifeln.
Ihr erzählen, dass sie einzigartig und stark sei.
Stattdessen befülle ich meinen inneren Rechner mit Gedanken- und Gefühlschaos.
Kein Wort über #basmadan diary und über die letzten Tage verloren.
Stattdessen verliere ich mich selbst.
Nie gut genug.

Das ist nicht der Ramadan, den ich mir erträumte.
Das ist nicht die heilige Zeit, die ich mir vorstellte.
Klar, jede*r hat individuelle Vorstellungen und Erwartungen zu erfüllen.
Und natürlich läuft manches nicht nach Plan.
Als perfektionistische Denkerin aber kann ich nicht anders agieren.
Nie gut genug.
Liebes Ramadan Tagebuch, es tut mir leid, ich habe wahrlich versagt.
Ich bin leider kein Android mit rosaroter Brille und einem Regenbogen über meinem Kopf.
Morgen, ja morgen wird anders.
Vielleicht sogar unvergleichbar.
Und hey: Bald ist Halbzeit und ich habe genug Zeit und Chancen, an mir zu arbeiten!

Weitere Ramadan Tagebuch-Einträge findet ihr hier. Ich wünsche euch einen gesegneten Ramadan und möge Allah euer Fasten annehmen!

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Mein Name ist Menna, aka „die kleine, stille Poetin“, und ich komme aus der wunderschönen österreichischen Hauptstadt Wien. Ich studiere Komparatistik im Bachelor, da Bücher schon immer eine große Bereicherung für mich waren. Und mit der Kraft der Poesie kann ich das ausdrücken, was mich beschäftigt. Mein Herz schlägt auch für die Kunst aller Art, Psychologie und die Philosophie. Neben der Fotografie funktioniert das Schreiben von Gedichten und Geschichten wie eine Art Therapie für mich. Die Kombination aus meinem Studium und meine Rolle bei BASMA Magazine als Lektorin fand ich sehr ansprechend. Generell finde ich Sprachen aus aller Welt ästhetisch. Es wäre falsch zu behaupten, wir kämen ohne Worte besser klar.