Was bedeutet es, junge Muslimin in Wien zu sein?
Wie fühlst du dich, wenn Politiker*innen über das Kopftuchverbot sprechen?

Hast du viele muslimische Freund*innen? Sind sie religiös geprägt?
Diese und weitere ungeklärte Fragen zirkulieren in meinem Kopf.
Weit in der Ferne.
In der Hoffnung, Antworten auf diese Rätsel zu finden.
Doch diese verlaufen sich im Labyrinth.
Verloren.
Obwohl, was wäre überhaupt die einzig richtige Antwort?

Was bedeutet es, junge Muslimin zu sein?
Um ehrlich zu sein, hat mich das Thema noch nie beschäftigt.
Zumindest nicht so weit, dass ich mir alle Zeit der Welt nehme.
So weit, bis ich die Realität vergesse.
So weit, bis ich endlich anfange, auch mit meinem Freundeskreis oder meiner Familie darüber philosophiere.
Denn alleine kommen wir mit unseren Gedanken nicht weiter.
Ich öffne meine Augen weit auf und realisiere, wie hasserfüllt sich Menschen – meistens rechtsextreme Nicht-Muslim*innen – präsentieren.
Parolen hallen aus allen Straßenecken in Blockschrift.
Ihre Ideologie, kaum wegzudenken.
Schubladendenken.

Genau das möchten sie erreichen: dass wir uns fremd fühlen; dass wir uns verkennen.
In einem Land, in dem wir geboren wurden, was wir eins Zuhause nennen.
In einem Land, das uns im Laufe unseres Lebens prägte.
Gegeneinander statt Miteinander.
Über „die anderen“ sprechen statt mit ihnen.
Es blutet mir das Herz, was Menschen muslimischen Glaubens alles erleben.
Doch, woher kommt dieser hetzerische Impuls?
Seit dem Nationalbewusstsein? Dass es ein Volk und eine Sprache existiert?
Oder liegt der Ursprung der (Mehrfach-)Diskriminierung weit weg in der Geschichte?
Und vor allem, wo fängt Diskriminierung tatsächlich an?

Was bedeutet es, junge Muslimin zu sein?
Bedeutet das, im öffentlichen Raum verbale, physische und psychische Gewalt am eigenen Leib (oder als Publikum) zu erfahren?
Sich ständig mit strukturellem Rassismus zu konfrontieren?
Dass ich keine Feministin sein darf, weil das mit dem Kopftuch nicht harmoniert?
Bedeutet das, auf die taktlosen Bemerkungen und Fragen einzugehen?
Oder bedeutet das, Mitmensch mit denselben Rechten und Pflichten eines Landes zu sein?
Unsere kleinsten Markenzeichen definieren uns nicht, wer wir laut der Allgemeinheit zu sein scheinen oder was wir bieten.
Sondern viel mehr, welche Geschichten wir zu erzählen haben.
Lasst uns gemeinsam Geschichten schreiben und diese weitererzählen!

„Junge Muslim*innen in Wien“ von 18.09.2019 bis 01.03.2020

Um auf das Thema Geschichten erzählen zu kommen: Passend zu diesen Gedanken läuft im Volkskundemuseum in Wien eine Ausstellung und Videoinstallation „Schulgespräche: Junge Muslim*innen in Wien.“ Wieso fasten wir im Monat Ramadan? Wie funktioniert der Schulalltag und Freundschaft mit jungen Nicht-Muslim*innen? Und wie wirken sich Elemente islamischer Lehre im Rahmen der verschiedenen Fächer aus? Das und viele weitere Fragen klären und diskutieren Jugendliche, Lehrkräfte sowie Schulleitungen aus vier verschiedenen Oberstufenrealgymnasien.

Außerdem finden im Rahmen der Videoinstallation Podiumsdiskussionen und -gespräche sowie weitere Führungen statt; aber auch Workshops für Gruppen und Schulklassen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer kulinarischen Reise in die orientalische Mitmachküche und einer gemeinsamen Evaluierung nach dem Ausstellungsbesuch? Oder einer Führung an einem verregneten Sonntag? Da aber nicht alle Veranstaltungen kostenfrei sind und vorher eine Anmeldung notwendig ist, informiere dich lieber auf der Website. Den Link findest du am Ende dieses Beitrages.

Also wenn du selber aus Wien und Umgebung kommst oder eine Person kennst, die eine Person kennt, die auch aus Wien kommt, sollte diese Gelegenheit nutzen und den spannenden Gesprächen lauschen. Nimm eine Begleitperson mit, sei es deine Familie oder Bekannte, um sich nach dem Besuch darüber auszutauschen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 01. März. Worauf wartest du?

Mehr Informationen zur Ausstellung findest du unter: https://www.volkskundemuseum.at/schulgespraeche

Erzähl mal: Was bedeutet es für dich, junger Mensch muslimischen Glaubens zu sein? Kommentiere hier deine Gedanken oder schreibe uns auf @basmamagazine.

Beitragsbild: Unsplash

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Salam und hallo! Mein Name ist Menna, aka „die kleine Poetin“, und ich komme aus der wunderschönen Stadt Wien. Ich studiere Literaturwissenschaften, da Bücher schon immer eine große Bereicherung für mich waren und ich mein Leben der Literatur widmen möchte. Mit der Kraft der Poesie kann ich das ausdrücken, was mich beschäftigt. Mein Herz schlägt auch für die Kunst aller Art, Psychologie und die Philosophie. Neben der Fotografie funktioniert das Schreiben von Gedichten und Geschichten wie eine Art Therapie für mich. Die Kombination aus meinem Studium und meine Rolle bei BASMA Magazine als Lektorin fand ich sehr ansprechend. Generell finde ich Sprachen aus aller Welt ästhetisch. Es wäre falsch zu behaupten, wir kämen ohne Worte besser klar. Seit Ende 2019 schreibe ich unter dem Motto „Lass uns reden“ darüber, was mich beschäftigt und mich zum Nachdenken und Überdenken anregt. Außerdem möchte ich als Ziel setzen, dass wir, Autor*innen wie Leser*innen untereinander austauschen und unsere Gedanken teilen.