Ich lasse das Jahr ruhig angehen.
Nehme mir die Zeit zu träumen und zu philosophieren.
All das, wonach ich mich in den kalten Dezembernächten sehne.
Jedes Jahr aufs Neue blicke ich zurück.
Auf die Meilensteine, die ich begegnete und herzerwärmend empfing.
Worauf ich bis heute noch stolz bin.
Auf die Jahresvorsätze, die in Erfüllung gingen.

Gleichzeitig blicke ich melancholisch auf einige Momente zurück.
Momente, die ich auf Knopfdruck zurückspulen möchte.
Damit ich mich erneut entsinne, wie berauschend und aufregend diese Augenblicke waren.
Auf die Momente, als ich nicht weiterwusste und mich in dunklen Sackgassen isolierte.
Es wäre falsch zu behaupten, ich könne mein Leben mit einem Neujahrsvorsatz ändern.
Mich um 180° drehen und mich schlagartig von einer Sekunde auf die andere in eine andere Person verwandeln.
Dabei sitzt genau dieser Druck tief, jede Silvesternacht.

Die Jahreszahl, ja sogar das neue Jahrzehnt, wechselt ihr Bühnenbild.
Während wir rückwärts zählen, bis die Uhr Mitternacht schlägt und Feuerwerke hoch in die Luft steigen.
Das neue Jahr erblüht von neu, schreibt neue Geschichten. Ein neues Kapitel beginnt.
Ich schmiede Pläne. Mit der Hoffnung, den Fokus auf meine Ziele zu setzen und dranzubleiben.
Meine Jahresvorsätze stehen Schlange, wartend auf die Reise ihres Lebens.
Wenn ich an meine älteren Ziele denke, muss ich schmunzeln.
Denn so schwach meine Willenskraft war, scheiterte ich gleich auf Anhieb.

Neues Jahr, neues Glück?

Eigentlich ist ein neues Kalenderjahr der optimale Anlass für Vorsätze.
Schließlich könnte jeder Tag der Beginn eines neuen Jahres sein.
Doch wir spüren den Drang, unser Jahr zu planen, uns sofort zu belohnen.
Sei es mit einer Schüssel voller Marshmallows oder einer gebauten Figur nach den Workouts. Solange wir die Willenskraft besitzen.
Die Willenskraft, uns zu verändern. Zu einer besseren Person, einer besseren Version von uns selbst.

Dann gibt es die andere Partei, die sofort ihre Jahresvorsätze über Bord wirft.
Kapituliert, bevor das Ziel in Sichtweite ist.
Greift nicht nach den Sternen, da es aussichtslos scheint.
Weil sich die Resultate nicht auf Anhieb zeigen, wie sie es sich wünscht.
Weil es Phasen gibt, an denen wir am liebsten nicht mehr aufwachen wollen.
Phasen, wo keinen Ausweg zu geben scheint.
Wo die Welt lauter als die größten Innenstädte dröhnt.
Reizüberflutung.

Stattdessen sollten wir ehrlich und fair zu uns sein.
Die verfügbaren Kapazitäten, die wir haben, nicht überschätzen.
Unseren präfrontalen Cortex nicht belasten.
Der Bereich im Gehirn, der entscheidend an unser Arbeitsgedächtnis sowie unsere Suche nach abstrakten Problemlösungen beteiligt ist.
Genau dort, wo unsere Willenskraft lokalisiert ist.
Daher sollten wir sie antrainieren, wie wir unsere Muskeln trainieren.

Willenskraft fördern

Verinnerliche dir nicht, dass du zum Sport musst, weil dein Vorsatz auf der Liste steht. Sondern dass du Sport machen willst, damit du deine Fitness vorantreibst.
Vor allem wie oft in der Woche und welche Workouts du wie lange konkret durchführst.
Verinnerliche dir nicht, dass du deine Freunde nur dann treffen möchtest, wenn du ihnen mit deinen Neuigkeiten bereichern willst. Wie wäre es mit einem Treffen jeden Monat? Jedes zweite Wochenende?
Lege dein Handy zur Seite, Instagram und Co. können warten!
Unterhalte dich über Philosophisches, Unsinniges, Tiefsinniges.
Über Gott und die Welt, Liebe, Gerechtigkeit, Leben!
Zwänge sind alles andere als hilfreich. Im Gegenteil: Sie demotivieren dich und die Wahrscheinlichkeit, dass du deinen Vorsatz aufgibst, steigt signifikant.

Setze deine Vorsätze smart vor Augen:

  • Spezifisch: Was und wo genau soll das Ziel erreicht werden? 
  • Messbar: Wann weiß ich, dass ich das Ziel erreicht habe?
  • Attraktiv: Wirkt das Ziel motivierend? Ist es dir wichtig genug?
  • Realistisch: Ist es machbar? Ist das gewünschte Ziel erreichbar?
  • Terminiert: Bis wann soll das Ziel erreicht werden? In welchem Zeitrahmen?

Kleines Beispiel gefällig?
Am 31. August 2020 ist der Entwurf für mein Gedichtband fertiggestellt. Daraus entsteht eine Sammlung aus meinen Texten über Verlust, aber auch über die Selbstliebe und die Glückseligkeit. Bis dahin soll es mindestens 80.000 Zeichen enthalten, die sich auf ca. 200 Seiten verteilen. Ich werde 500 Zeichen pro Tag schreiben. Da ich leidenschaftlich gerne schreibe und mit meiner Leserschaft das Gefühl vermitteln möchte, dass sie sich mit dem Gefühlschaos nicht alleine ist, liegt mir dieses Projekt. 

Klingt ausführlich, aber du musst deine Ziele nicht langatmig formulieren, wenn es dich überfordert und du den Überblick verlierst.

Versuche es mit diesen Jahresvorsätzen:

  • Detox (Social Media, Handy, Süßigkeiten, …)
  • Kleiderschrank ausmisten
  • Bedürftige spenden
  • mehr Zeit den eigenen (oder neuen) Hobbys widmen
  • mindestens ein Buch pro Monat lesen
  • eine Sprache lernen bzw. verbessern
  • Postkarten schreiben
  • vegetarisch/vegan ernähren (alternativ: fleischlose Tage einplanen)
  • einen Ort deiner Stadt besuchen, an der du noch nie warst
  • Tagebuch führen und über den Tag reflektieren
  • und viele andere

Sei nicht streng zu dir selbst, indem du dich über belanglose Sachen fertigmachst und nach Rechtfertigungen suchst.
Es werden immer Situationen geben, wo du dich verlierst oder gestresst fühlst, weshalb du den einen oder anderen Vorsatz nicht umsetzen kannst.
Aber siehe es positiv: Hast du es nicht geschafft, mehr Bücher zu lesen, wie gehofft? Was ist mit deinen Pflichtlektüren, die du für deine Lehrveranstaltungen vorbereiten musstest? Auch das zählt als Vorsatz und bilden dich sogar weiter, siehe es als Chance!
Und wenn wir ehrlich sind, sind wir alle nicht perfekt und lernen aus unseren „Fehlern“.

Erzähl mal: Findest du Neujahrsvorsätze ermutigend und warum (nicht)? Welche realistischen Jahresvorsätze schlägst du vor? Und hast du andere Tipps, um die eigene Willenskraft zu stärken? Kommentiere hier deine Gedanken oder schreibe uns auf @basmamagazine.

In diesem Sinne wünschen wir dir im Namen des Basma-Teams ein frohes neues Jahr!

Beitragsbild: Unsplash

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Salam und hallo! Mein Name ist Menna, aka „die kleine Poetin“, und ich komme aus der wunderschönen Stadt Wien. Ich studiere Literaturwissenschaften, da Bücher schon immer eine große Bereicherung für mich waren und ich mein Leben der Literatur widmen möchte. Mit der Kraft der Poesie kann ich das ausdrücken, was mich beschäftigt. Mein Herz schlägt auch für die Kunst aller Art, Psychologie und die Philosophie. Neben der Fotografie funktioniert das Schreiben von Gedichten und Geschichten wie eine Art Therapie für mich. Die Kombination aus meinem Studium und meine Rolle bei BASMA Magazine als Lektorin fand ich sehr ansprechend. Generell finde ich Sprachen aus aller Welt ästhetisch. Es wäre falsch zu behaupten, wir kämen ohne Worte besser klar. Seit Ende 2019 schreibe ich unter dem Motto „Lass uns reden“ darüber, was mich beschäftigt und mich zum Nachdenken und Überdenken anregt. Außerdem möchte ich als Ziel setzen, dass wir, Autor*innen wie Leser*innen untereinander austauschen und unsere Gedanken teilen.